Die Lage der Fischbestände in Europa ist ein Thema, das jeden Angler betrifft. 2026 stehen wir vor großen Herausforderungen, aber auch vor positiven Entwicklungen. Ein Überblick über die wichtigsten Veränderungen.
Dorsch in der westlichen Ostsee: Die Krise hält an. Der Bestand des westlichen Dorschs (ICES-Gebiete SD 22-24) befindet sich seit Jahren auf einem kritischen Niveau. Die EU hat für Freizeitangler ein komplettes Entnahmeverbot verhängt – jeder gefangene Dorsch muss sofort und schonend zurückgesetzt werden. Die Gründe für den Bestandsrückgang sind vielfältig: Überfischung in der Vergangenheit, steigende Wassertemperaturen, Sauerstoffmangel am Meeresboden und veränderte Nahrungsketten. Wissenschaftler des Thünen-Instituts gehen davon aus, dass eine Erholung Jahre bis Jahrzehnte dauern kann.
Dorsch in der Nordsee: Anders als in der Ostsee ist die Situation in der Nordsee stabiler, auch wenn die Bestände weit von den historischen Höchstständen entfernt sind. Hier gelten weiterhin Bag-Limits und Schonzeiten für Freizeitangler. Die Bestandsbewertung des ICES zeigt leichte Erholungstendenzen.
Positive Nachrichten gibt es beim Hering: Nach Jahren des Rückgangs zeigen die Frühjahrslaicher-Bestände in der westlichen Ostsee erste Anzeichen einer Erholung. Die Quotenreduzierungen der letzten Jahre scheinen Wirkung zu zeigen. Für Freizeitangler bleibt das Heringsangeln im Frühjahr weiterhin erlaubt – ein wichtiges Signal.
Fisch des Jahres 2026: Der Deutsche Angelfischerverband (DAFV) und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) haben den Europäischen Wels (Silurus glanis) zum Fisch des Jahres 2026 gewählt. Der größte Süßwasserfisch Europas kann bis zu 3 Meter lang und 150 kg schwer werden. Durch steigende Wassertemperaturen infolge des Klimawandels breitet sich der wärmeliebende Wels zunehmend aus und besiedelt Gewässer, in denen er früher selten war. Die Wahl soll auf die ökologische Bedeutung und die Herausforderungen durch den Klimawandel aufmerksam machen.
Der Aal bleibt das Sorgenkind. Der Europäische Aal ist vom Aussterben bedroht, und die Glasaal-Aufkommen sind auf einem Bruchteil des historischen Niveaus. In vielen Bundesländern gelten strenge Fangbeschränkungen oder komplette Fangverbote. Angler sollten gefangene Aale nach Möglichkeit zurücksetzen.
Was können Angler tun? Einiges. Schonzeiten und Mindestmaße strikt einhalten, Catch & Release bei bedrohten Arten praktizieren, sich in Hegevereinen engagieren und Gewässerpflegemaßnahmen unterstützen. Auch die Meldung von Fängen an wissenschaftliche Programme wie das Thünen-Institut hilft, die Bestandslage besser einzuschätzen.
Ein wichtiger Appell: Informiert euch vor jeder Angeltour über die aktuellen Regelungen. Die Vorschriften ändern sich regelmäßig, und was letztes Jahr erlaubt war, kann dieses Jahr verboten sein. Die Websites der Landesfischereiverbände und des DAFV sind die besten Quellen für aktuelle Informationen.
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