Das Heringsangeln im Frühjahr ist ein Volksfest an der Ostseeküste. Von März bis Mai ziehen Millionen Heringe in die Förden, Häfen und Boddengewässer, um zu laichen. Tausende Angler stehen dann Schulter an Schulter an den Kaimauern – und das hat seinen Grund: Hering fangen ist einfach, macht Spaß und liefert erstklassiges Essen.
Das Timing: Die Heringe folgen der Wassertemperatur. Wenn das Wasser auf 5-8 Grad steigt, beginnt der Zug. An der schleswig-holsteinischen Küste (Kiel, Eckernförde, Flensburg) kommen die Heringe meist Mitte bis Ende März. In Mecklenburg-Vorpommern (Warnemünde, Stralsund, Rügen) dauert es oft bis Anfang April. Der Höhepunkt liegt meist im April, wenn die Schwärme am dichtesten sind.
Die Ausrüstung ist denkbar einfach: Eine leichte Spinnrute (2,40-3,00m, 10-40g), eine kleine Stationärrolle mit monofiler Schnur (0,25-0,30mm) und ein Heringspaternoster – das wars. Heringspaternoster gibt es fertig zu kaufen mit 3-6 Haken, die mit bunten Federn, Perlen oder Fischhaut bestückt sind.
Die Technik: Paternoster mit einem kleinen Pilker oder Blei am Ende auswerfen, auf Grund sinken lassen und dann mit leichten Ruckbewegungen langsam einholen. Die Heringe attackieren die kleinen Imitationen, und oft hängen bei einem Wurf gleich mehrere Fische am Paternoster. An guten Tagen fängt man 50-100 Heringe in wenigen Stunden.
Die besten Spots 2026: Kiel Kiellinie und Tirpitzmole – der Klassiker, gut erreichbar und oft der erste Spot, an dem die Heringe auftauchen. Eckernförde Hafen – weniger überlaufen als Kiel, aber ebenso produktiv. Flensburger Förde – später dran, dafür oft weniger Andrang. Warnemünde Alter Strom – DER Heringsspot in MV, allerdings oft sehr voll. Stralsund Hafen – exzellent und mit dem Charme der Altstadt. Rügen Bodden (Schaprode, Ralswiek) – weniger bekannt, aber fantastisch.
Verarbeitung: Frischer Hering ist in der Küche Gold wert. Bratheringe, eingelegte Heringe nach Hausfrauenart, geräucherte Bücklinge oder Matjes – die Möglichkeiten sind endlos. Wichtig: Hering nach dem Fang sofort auf Eis legen und innerhalb von 24 Stunden verarbeiten. Zum Einfrieren eignet sich Hering hervorragend – vakuumiert hält er sich mehrere Monate.
Ein Wort zur Nachhaltigkeit: Der westliche Ostsee-Hering zeigt Erholungstendenzen, und das Angeln bleibt ohne Mengenbeschränkung für den Eigenbedarf erlaubt. Trotzdem: Fange nur so viel, wie du wirklich verwerten kannst. Nichts ist trauriger als Eimer voller Heringe, die am Ende im Müll landen.
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