Angeln und Naturschutz – das klingt für Außenstehende oft wie ein Widerspruch. Doch die Realität sieht anders aus: Angler sind in Deutschland die mit Abstand größte Gruppe, die sich aktiv für den Schutz von Gewässern und Fischbeständen einsetzt. Rund 6 Millionen Menschen angeln regelmäßig, und sie investieren jährlich Millionen von Stunden und Euro in Hege und Pflege.
Die Angelvereine in Deutschland leisten Enormes. Sie besetzen Gewässer mit heimischen Fischarten, entfernen invasive Pflanzen, pflegen Uferzonen und schaffen Laichhabitate. Ohne das ehrenamtliche Engagement der Angler wären viele Gewässer in einem deutlich schlechteren Zustand.
Gewässerpatenschaften sind ein Erfolgsmodell. Immer mehr Angelvereine übernehmen die Patenschaft für Flüsse und Bäche. Sie kontrollieren die Wasserqualität, melden Verschmutzungen und setzen sich bei Behörden für den Gewässerschutz ein. Oft sind es Angler, die als Erste eine illegale Einleitung oder ein Fischsterben bemerken und Alarm schlagen.
Was kann jeder einzelne Angler tun? Erstens: Müll mitnehmen – den eigenen und gerne auch den, den andere hinterlassen haben. Jeder gesammelte Schnurrest und jede aufgehobene Dose macht einen Unterschied. Zweitens: Schonzeiten und Mindestmaße respektieren – sie existieren, weil sie die Reproduktion sichern. Drittens: Fangberichte führen und an Vereine oder wissenschaftliche Programme melden. Diese Daten sind für die Bestandsüberwachung enorm wertvoll.
Selektives Entnehmen: Nicht jeder gefangene Fisch muss mit nach Hause. Große Laichfische sind für den Bestand besonders wertvoll und sollten zurückgesetzt werden. Ein Hecht über einem Meter produziert deutlich mehr Eier als drei kleinere Hechte zusammen. Das selektive Zurücksetzen großer Fische ist aktiver Naturschutz.
Invasive Arten sind ein wachsendes Problem. Der Schwarzmundgrundel hat sich in Rhein, Donau und Main explosionsartig vermehrt und bedroht heimische Arten. Angler können helfen, indem sie gefangene Grundeln entnehmen (sie nicht zurücksetzen!) und Sichtungen an die Behörden melden. Gleiches gilt für den Signalkrebs, der den heimischen Edelkrebs verdrängt.
Ökologische Gewässerbewirtschaftung bedeutet auch, den Besatz zu überdenken. Statt massenhaft Satzfische einzusetzen, setzen fortschrittliche Vereine auf die Verbesserung der Lebensräume: Totholz einbringen, Kiesbänke anlegen, Ufer naturnah gestalten. Das fördert die natürliche Reproduktion und ist langfristig nachhaltiger als jeder Besatz.
Fazit: Angeln und Naturschutz sind keine Gegensätze, sondern Partner. Jeder Angler, der verantwortungsvoll handelt, leistet einen Beitrag zum Erhalt unserer Gewässer und Fischbestände.
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